Deep Inner Thoughts

Dieses Mädchen

Foto von Flo Karr auf Unsplash

Heißt das so? Gefriendzoned? Ich glaub schon. Wenn man statt der “der Freund” nur der “beste Freund” ist. Wenn das diesem Wort entspricht dann trifft das irgendwie 100% auf mich zu. Aber irgendwie bin ich zufrieden damit.

Also nun zu ihr:

Wer ist sie? Wie bin ich ihr begegnet? Warum bin ich in der Friendzone gelandet?

Sie ist blond. Also von der Haarfarbe. Im Gehirn eher nicht, sie ist recht schlau, beziehungsweise nicht so doof wie viele andere. Wenn ich überlege und zurückblicke, waren 90% der Mädchen, auf die ich gestanden habe blond, also vielleicht kein Wunder, dass es sie getroffen hat.

Sie ging auf meine Schule. Zwar zwei Jahrgänge unter mir, aber sie war mir vom Sehen her aufgefallen. Brille, Haare zum Zopf, schlank, aber hübsch.

Hab nie irgendwas mit ihr zu tun gehabt. Wir hatten jeder unser eigenes Leben und hatten auch noch nie miteinander gesprochen, beziehungsweise aktiv angeschaut. Also so, wenn man wirklich Augenkontakt hat, auch wenn es nur für einen kurzen Moment ist. Hatten wir nicht.

Dann war ich auf Kur. Wegen meinem Rücken. Sollte lernen, was ich gegen meine Verkrüppelung (a.k.a Skoliose) machen kann. Turnen a.k.a Krankengymnastik-Übungen. Das war jetzt ca. 1,25 Jahre her. Sommerferien 2016.

Da nicht immer Programm war, hat man sich auch mal gelangweilt. Besonders am Wochenende. Internet wurde um 22 Uhr gesperrt. Richtig dämlich. Aber deswegen musste man, wenn man es hatte (es war auch irgendwie mega langsam), halt auch voll ausnutzen. Alle Updates laden, Snapchat checken und schauen, was auf Insta so los ist.

Das hab ich gemacht. Gecheckt, ob mir Leute zum Abonnieren vorgeschlagen werden, die ich vielleicht kenne. Gehe diese Liste durch, schaue mir ein paar Profile an und folge auch dem ein oder anderen. Und dabei ist auch ihres.

Da ich ihre Fotos schön fand (nach wie vor nicht wissend, was jemals zwischen uns passieren wird), like ich ein paar ihrer Bilder. Sie liket ein paar zurück.

Nach wie vor mega gelangweilt, nutzte ich die Chance jemanden zu nerven und bedank mich erstmal mithilfe der neuen Direktnachrichten-Funktion auf Instagram bei ihr. “Danke für die vielen Likes!” oder so ähnlich lautet meine erste Nachricht. Um den genauen Wortlaut herauszufinden, bin ich leider gerade zu faul...

Naja und irgendwann wurde aus der Instagram-Konversation dann ein WhatsApp-Plausch. Zwar anfangs eher unregelmäßig, aber dann immer mehr, schrieben wir über all möglichen Themen, so dass jeder von uns bald schon ziemlich viel aus dem Leben des anderen wusste...

Doch bis zum ersten Treffen sollte es noch eine ganze Weile dauern. Wir schrieben halt immer nur. Anfangs war das mehr ein Interview meinerseits, weil sie halt doch eher abweisend wirkte, was sich erst im Laufe der Zeit änderte.

Irgendwann trafen wir uns dann halt. Lange Zeit, nachdem wir die erste Nachricht ausgetauscht haben, nachdem wir uns schon tausende weitere über WhatsApp zukommen ließen. Auch Sprachnachrichten waren einige dabei. Sie mag die irgendwie recht gerne, weil sie da labern kann ohne roten Faden.

Wir aßen Waffeln in einem netten Cafe, das darauf spezialisiert ist. Kalorienbomben, aber mega lecker. Wir redeten über dies und das. Dann gingen wir spazieren. Ich zeigte ihr den botanischen Garten. Wir genossen es, rumzulaufen und uns zu unterhalten.

Ein paar Monate später, hatte ich meinen 18. Geburtstag. Sie hatte mir ein ziemlich kreatives Geschenk gemacht und wollte es mir persönlich übergeben. Ich war bei ihr zuhause. Wir haben uns wieder unterhalten. Hab auch ihre Mutter kennengelernt. Das muss gerade am Ende meiner Abi-Phase gewesen sein.

Das dritte Mal haben wir uns etwa einen Monat später im Pizza-Restaurant getroffen. Haben Pizza gegessen und uns ein paar Stunden unterhalten.

Seitdem kam es leider nicht mehr zu einem Treffen, da sie ziemlich krank wurde, ein paar Mal ins Krankenhaus musste uns sich seitdem keine Gelegenheit bot. Ich wollte sie besuchen, als es ihr scheiße ging, aber sie hat es jedem verboten.

Und ihre Krankheit, beziehungsweise ein anderer Krankheitsfall im engsten Kreis meiner Familie ist der wahrscheinlich einer der Gründe, warum es dazu kam, dass Freundschaft zwischen einem Jungen und einem Mädchen entstanden ist. Also Freundschaft ohne +, aber auch mehr als nur Freunde. Beste Freunde irgendwie. Obwohl die meisten bestimmt sagen würden, so was ist gar nicht möglich.

Wir haben uns gegenseitig Sachen anvertraut, über die wir mit niemand anderem sprechen konnten. Wir haben uns manchmal einfach gegenseitig ausgeheult (nicht wirklich geheult, aber so in der Art, die Sachen rausgelassen).

Ich hätte es wahrscheinlich cool gefunden, wenn wir zusammengekommen wären, aber um ehrlich zu sein, ich brauch es nicht wirklich. Denn bestimmt hätte eine Beziehung nicht gehalten. Und mittlerweile ist es auch so, dass ich mehr ihre Persönlichkeit, als ihren Körper schätze und ist das nicht eine Bedingungen für eine Beziehung? Körperliche Angezogenheit? Ist irgendwie nicht (mehr) vorhanden.

Aber wenn da wirklich was hätte entstehen sollen, hätte ich das Ganze von Anfang an komplett anders angehen müssen und so bin ich nun froh, wie es momentan ist. Einfach das Gefühl, dass da draußen jemand ist, der im Geiste ähnlich tickt und mit dem man einfach über alles und immer sich austauschen kann.